Die Talayotkultur fand im Jahre 123 vor unserer Zeit ihr endgültiges Ende als 3.000 römische Legionäre die Insel besetzten, um den dort niedergelassenen Piraten Einhalt zu gebieten. Die Römer gründeten wichtige Siedlungen, aus denen heute unter anderem die Städte Palma und Alcúdia erwachsen sind. Ab 369 erhielten die Balearen den Status einer eigenen römischen Provinz. Der größten Insel gaben die Römer den Namen “Balearis Major” bzw. “Majorica”, woraus sich die heutige Bezeichnung Mallorca ableitet. Auch der Name Menorcas lässt sich so herleiten (“Balearis Minor” bzw. “Minorca” – frei: die Kleinere).
Die römische Epoche hat Mallorca nachhaltig beeinflusst, so wurde zum einen der Landbau umgestaltet, insbesondere wurden Olivenplantagen sowie Weinberge angelegt. Zudem wurde die Salzerzeugung im Süden zu einem bedeutenden Wirtschaftszweig entwickelt. Außerdem gab es zahlreiche infrastrukturelle Neuerungen, wie Aquädukte, Straßen, Brücken und ein bedeutender Hafen bei Sóller. Einige römische Bauwerke sind heute noch (zumindest teilweise) erhalten, insbesondere in Alcúdia wurden viele davon durch Archäologen freigelegt; bei Pollça gibt es eine römische Brücke und Teile eines Aquädukts.
Auch die heute vorherrschende katholische Religion geht auf die Römer zurück, die sie im Jahre 379 zur Staatsreligion deklarierten und die Geschichte Mallorcas damit nachhaltig beeinflussten.
Mit dem Niedergang des römischen Reiches ab dem 3. Jahrhundert gelangte Mallorca in den Einflussbereich verschiedener fremder Machthaber. Im 5. Jahrhundert waren die Vandalen kurze Zeit Herrscher über die Insel. Ab 533/34 wurde sie Teil des Byzantinischen Reichesund knüpfte im Zuge dessen enge Handelsbeziehungen zum Nordafrikanischen Raum.
Maurenherrschaft
Zwischen 902 und 1229 kam es zur Besetzung durch die muslimischen Mauren. Für sie wurde die zwischen Nordafrika und Europa gelegene Insel ein strategisch wichtiger Flottenstützpunkt. Ab 1015 war Mallorca ein eigenständiges Emirat, dessen Wirtschaftskraft sich vor allem auf Piraterie und Sklavenhandel stützte. Zunächst war Al-Kudia (arab. Hügel), später dann Palma die Hauptstadt der Insel. Mit etwa 80.000 Einwohnern hatte letztere im 12. Jahrhundert eine beachtliche Einwohnerschaft erreicht.
Nur wenige architektonische Zeugnisse sind aus der maurischen Zeit geblieben. Die heutigen Grundrisse der Städte sind jedoch, wie in ganz Spanien, stark durch diese Epoche geprägt worden. Kleine Gassen und Plätze sowie die Stadthäuser mit dem typischen, reich verzierten, mit Arkaden umfassten Innenhof gehen auf diesen arabischen Einfluss zurück.
Die Mauren erschlossen auch das Bergland der Tramuntana für ihre Siedlungen. Hier haben sie der Insel eine sehr charakteristische Prägung verliehen – den Terrassenfeldbau. Zu bestaunen ist dieser beispielsweise bei Banyabufar und Estellencs. Einer der damals errichteten Berghöfe ist heute als Museum erhalten (La Granja in der Nähe von Esporles).
Auch innovative Bewässerungssysteme gehen auf die Mauren zurück. Des weiteren wurden Zitrusfrüchte eingeführt und der Weinbau verbessert.
Reconquista
Die Herrschaft der Mauren war den christlichen Machthabern innerhalb Europas ein Dorn im Auge, so dass ab dem 8. Jahrhundert damit begonnen wurde, die Territorien sukkzesive zurückzuerobern. Im Zuge dieser christlichen Reconquista wurde auch Mallorca im Jahre 1229 durch König Jaume I. von Aragón angegriffen und innerhalb weniger Monate besetzt. Wenig später wurden auch die übrigen Baleareninseln dem Reich des Königs von Aragón angegliedert. Auf Mallorca verblieben einige tausend Mauren, die weiterhin Handel mit Nordafrika betrieben oder als Bauern lebten.
In dieser Zeit setzte eine neue bauliche Epoche auf der Insel ein. Es entstanden zahlreiche Befestigungen zum Schutz vor Feinden und Piraten. Zudem errichtete man sehr viele Kirchen, Klöster und Gutshäuser.
Den Rittern des Templerordens, die dem König von Aragón bei seinen Feldzügen unterstützt hatten, sprach der König weite Teile der Insel zu. Auch Militärangehörige und Kaufleute wurden mit Landanteilen bedacht. In vielen Fällen wurde das Land direkt weiter verkauft. Dazu warb man auch neue Siedler vom Festland an, die eigene Landwirtschaftsbetriebe gründeten. Die oftmals aus Katalonien stammenden Zuwanderer brachten die heute gebräuchliche Sprache – Katalanisch (Catalàn) – nach Mallorca. Es entstanden zahlreiche neue Siedlungen, darunter auch sehr viele Kleinsiedlungen und Einzelhöfe, die vor allem in weniger gut zugänglichen Gebirgslagen der lagen.


